Allergologen brauchen
detektivischen Spürsinn
Allergie oder
keine Allergie - das ist oft die Frage!
Naselaufen und
Augenentzündung, Durchfall und Bauchschmerzen oder
Hautausschlag und Juckreiz: Eine Vielzahl verschiedener
Krankheitszeichen können auf eine allergische Erkrankung
hinweisen. Allerdings können diese Symptome auch bei
anderen Erkrankungen auftreten. Das führt zum Beispiel
dazu, dass eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten
allzu leicht mit einer Nahrungsmittel-Allergie verwechselt
wird. Auch der Zusammenhang zwischen Allergiesymptomen und
ihren Auslösern kann falsch gedeutet werden. Bei Heuschnupfen-Symptomen
im Sommer denken die Meisten zuerst an eine Allergie auf
Gräserpollen. Vielleicht sind aber tatsächlich
die zur gleichen Zeit umherfliegenden Sporen von Schimmelpilzen
die Übeltäter.
Der Allergologe
als Detektiv
Norbert Mülleneisen
vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
erlebt in der Praxis häufig, dass Patienten überrascht
reagieren, wenn er bei ihnen eine Allergie auf eine bestimmte
Substanz feststellt. Sie selbst hatten oft gänzlich
andere Auslöser für ihre quälenden Symptome
vermutet. Doch auch der Facharzt braucht viel Erfahrung,
um die Allergieauslöser eindeutig zu bestimmen. "Selbst
wenn ein Allergietest positiv ausfällt, müssen
die Ergebnisse sehr sorgfältig interpretiert werden.
Manchmal ist es richtige Detektivarbeit, der Ursache für
allergische Symptome auf die Spur zu kommen", erläutert
Mülleneisen. Zu einer umfassenden allergologischen
Diagnostik beim Facharzt gehören eine ausführliche
Krankengeschichte, Haut-tests, die Bestimmung von spezifischen
Antikörpern im Blut und so genannte Provokationstests.
"Ein erfahrener Arzt kann mit Hilfe dieser Tests feststellen,
welche Allergieauslöser für den Patienten relevant
sind und die geeignete Therapie auswählen", so
Mülleneisen. Er schildert den Fall eines Allergiekranken,
der im Sommer stets unter Heuschnupfen litt. Der Hauttest
und die Blutuntersuchung zeigten eine positive Reaktion
auf Gräser und Schimmelpilze. Der Allergologe führte
zur Sicherheit eine so genannte nasale Provokation durch:
Der Patient atmete in der Praxis nacheinander Allergene
aus Gräserpollen und Schimmelpilz-Sporen durch die
Nase ein. Nur die Allergieauslöser aus Schimmelpilzen
führten zu den bekannten Symptomen. Dem Patienten konnte
durch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)
mit einem Schimmelpilz-Extrakt geholfen werden. Schon im
nächsten Sommer war er beschwerdefrei.
"Allergien"
auf Milch und Penicillin
Ein positiver Hauttest
und die Blutuntersuchung beweisen also noch keine Allergie
- ebenso wenig, wie ein zeitlicher Zusammenhang zwischen
dem Essen bestimmter Nahrungsmittel und allergieähnlichen
Beschwerden. Beispielsweise vertragen fünf bis 15 Prozent
der Menschen in Nordeuropa keine Milchprodukte, weil sie
nicht in der Lage sind, den darin enthaltenen Milchzucker
zu verdauen. Trinken sie trotzdem Milch, so kann es zu Unwohlsein
und Durchfall kommen. Es handelt sich dabei aber nicht um
eine Allergie, sondern um eine Unverträglichkeits-Reaktion.
Auch Allergien auf
Medikamente sind nicht immer das, was sie scheinen. Manchmal
lässt sich eine langjährig vermutete Penicillin-Allergie
durch die Beratung und Untersuchung bei einem Allergologen
ausschließen. Wie Mülleneisen berichtet, glauben
viele Patienten, an einer Penicillin-Allergie zu leiden,
weil sie nach der Behandlung eines Pfeiffer´schen
Drüsenfiebers mit Penicillin einen Hautausschlag bekamen.
Pfeiffer´sches Drüsenfieber kommt sehr häufig
vor. Die Erkrankung wird durch Viren ausgelöst und
ähnelt einer schweren Mandelentzündung. Die Behandlung
der Virusinfektion mit Penicillinen führt typischerweise
zu Hautausschlägen. Viele der Betroffenen werden dann
fälschlicherweise als "allergisch auf Penicillin"
abgestempelt. In anderen Fällen einer vermuteten Medikamenten-Allergie
kann der eigentliche Allergieauslöser ein Hilfsstoff
sein, der dem Medikament beigefügt wurde. Diesen Patienten
kann nach einer allergologischen Diagnostik und Umstellung
auf ein anderes Präparat leicht geholfen werden.
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Jetzt zum Allergologen. Heuschnupfen-Kranke sollten
jetzt zum Allergologen gehen. Denn wenn im Herbst
mit einer spezifischen Immuntherapie begonnen wird,
können die Symptome schon im nächsten Jahr
viel besser sein. Leider gelangen viele Allergiekranke
häufig erst nach einer langjährigen Odysee
zum Facharzt und erhalten eine langfristig wirksame
Therapie. Diese Unterversorgung von Allergiepatienten
hat das Institut für Gesundheits- und Sozialforschung
(IGES) in Berlin in einer großen Studie zur
Versorgung allergiekranker Menschen (VAM-Studie) belegt.
Im Rahmen der Studie wurden 6.791 Patienten befragt.
Sie erhielten bei einem auf Allergologie spezialisierten
Facharzt erstmals eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)
gegen ihre Allergie auf Pollen, Hausstaubmilben, Schimmelpilze
oder Tierhaare.
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