Wenn
Allergiker reisen
Damit
der Heuschnupfen nicht den Urlaub verdirbt
“Schatz,
lass uns lieber nicht nach Schweden fahren. Im Juli sollen
die Gräser dort besonders stark blühen. Ich bin dann ja
nur am Niesen.” – “O.k., nach Italien?” – “Nein,
meine Fischeiweißallergie! In Italien gibt’s doch nur
Seafood. Was soll ich die ganze Zeit essen?” – “Hm …
wie wär‘s mit den Kanaren?” – “Hört sich gut an,
da wollte ich auch immer schon mal hin! …Aber der Arzt hat
doch jetzt auch eine Sonnenallergie festgestellt. Ich
glaube, das ist mir zu riskant. Wollen wir nicht einfach
hier bleiben?”
Natürlich
können auch Allergiker auf Reisen gehen. Aber es gibt
einiges zu beachten. Das fängt mit der Anreise an.
Gepolsterte Sitze in Bus, Bahn oder Flugzeug können Brutstätten
für Hausstaubmilben sein, in Klimaanlagen sprießen nicht
selten Schimmelpilze, Raucher- und Nichtraucher sind oft
nicht ausreichend voneinander getrennt. Am Urlaubsort lauern
neue Gefahren: Die einheimische Küche, die man nicht kennt
und in der Nahrungsmittelallergene versteckt sein können,
Tierhaare in Hotelzimmern, andere Zeiten für den Pollenflug
als in der Heimat usw.
Damit
auch Allergiker ihren Urlaub unbeschwert genießen können,
geben der Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) und
die Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie (DGAI) einige Tipps für Urlaubsplanung und
Reisen.
Das Reiseziel
“Das
ideale Reiseland” gibt es für Allergiker nicht, jeder
Patient muss individuell planen. Allerdings ist es hilfreich
zu wissen, dass ...
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es im Gebirge
oberhalb von 1.500 Metern kaum noch Hausstaubmilben gibt;
Menschen mit Hausstaubmilbenallergie geht es in diesen Lagen
meistens viel besser.
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Pollenallergiker
sich auf Nordseeinseln besonders wohl fühlen. Bei der Wahl
des Reiselandes helfen im übrigen internationale
Pollenflugkalender (z. B. unter www.polleninfo.org).
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trockenes und mildes
Schonklima, zum Beispiel am Mittelmeer, Asthmatikern oft
besonders gut bekommt.
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Island als besonders
allergikerfreundlich gilt. Es gibt dort kaum Bäume, die
ihre Pollen fliegen lassen könnten, die Gräserblüte ist
nur kurz und die Luftverschmutzung gering. Ein frischer Wind
sorgt für regen Luftaustausch. Asthmatiker berichten regelmäßig,
auf Island weniger Asthmamedikamente zu benötigen.
Die Vorbereitung
Bevor
es losgeht, ist auf jeden Fall der Besuch bei einem
Allergologen angezeigt. Dieser kann ...
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individuell beraten
und über Risiken aufklären.
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einen
Gesundheitscheck vornehmen, um zu überprüfen, ob der
Patient fit für die Reise ist.
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antiallergische
Medikamente für die Reiseapotheke verordnen.
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eine Liste mit den
benötigten Medikamenten schreiben, die nicht nur die Präparate-,
sondern auch die Wirkstoffnamen nennt. Denn Arzneimittel heißen
im Ausland oft anders.
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einen Allergiepass
ausstellen, falls der Patient noch keinen besitzt.
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über die Chancen
einer ursächlichen Therapie informieren. Denn eine
spezifische Immuntherapie (SIT, “Allergie-Impfung”) kann
die Beschwerden dauerhaft lindern.
Die Anreise
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Pollenschutzfilter
in das Auto einbauen lassen und regelmäßig erneuern. Die
Fenster im Auto oder in der Bahn möglichst geschlossen
halten.
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Wer unter
allergischem Schnupfen oder Asthma leidet, sollte im
Flugzeug so viele Sitzreihen zwischen sich und die
Raucherabteilung bringen wie möglich. Denn der Qualm verstärkt
die Symptome.
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Während des Fluges
trocknen die Nasenschleimhäute aus. Nasensprays mit
Meerwasser helfen.
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Druckunterschiede während
eines Fluges können bei allergischem Schnupfen unangenehme
Beschwerden verursachen, weil der Druckausgleich im Ohr
schlechter klappt. Kaugummikauen, häufiges Schlucken und
abschwellende Nasentropfen helfen.
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In Polstern von
Bahn- und Flugzeugsitzen sammeln sich oft Hausstaubmilben
oder Tierhaare. Allergiker sollten deshalb ihre
Bedarfsmedikamente bei sich haben.
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In der
Bordverpflegung können Nahrungsmittelallergene lauern.
Manche sind auf den ersten Blick gar nicht erkennbar und
auch die netten Flugbegleiterinnen wissen in der Regel
nicht, was da alles liebevoll in der Plastikschale
angerichtet worden ist. Nahrungsmittelallergiker nehmen
lieber von zuhause einen Snack mit und haben für den Fall
der Fälle ihr Notfallset in der Nähe.
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Stress kann
allergische Symptome verstärken, schnelle Spurts zur
Gangway können bei Asthmatikern einen Asthmaanfall auslösen.
Deshalb: Genug Zeit einplanen – Hektik kommt dann gar
nicht erst auf.
Die Unterkunft
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Manche Hotels bieten
spezielle Zimmer für Allergiker an – es lohnt sich,
nachzufragen!
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Im Vorfeld die
Zimmer beschreiben lassen. Als Milbenallergiker zum Beispiel
lieber keine Unterkunft mit dicken Teppichböden und
alten Polstermöbeln buchen. Ist es möglich, eigenes
Bettzeug mitzubringen? Sind milbendichte Matratzenüberzüge
vorhanden?
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Milben- und
Schimmelpilzallergiker können darum bitten, dass ihre
Unterkunft vor der Ankunft gut gelüftet wird.
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Patienten mit einer
Allergie gegen bestimmte Tierhaare sollten sich nach den
Modalitäten der Haustierhaltung im Quartier informieren.
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Gibt es spezielle
Raucher- bzw. Nichtraucherzimmer? Wie ist die Aufteilung im
Speisesaal des Hotels? Rauchfrei geht es Allergikern besser.
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Für Personen mit
Nahrungsmittelallergie wichtig: Bietet das Hotel
entsprechend zubereitete Speisen an? Es kann unkomplizierter
und sicherer sein, sich ein Appartement zu mieten und selbst
zu kochen.
Die Aktivitäten
Bei
Urlaubsaktivitäten sind immer die individuellen Risiken zu
beachten. Dazu gehören für Sonnenallergiker natürlich
starke Sonneneinstrahlung, für Insektengiftallergiker der
Insekten- und für Pollenallergiker der Pollenflug. Weniger
bekannt ist, dass ...
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Tauchen für
Asthmatiker gefährlich und nur in Ausnahmefällen möglich
ist. Vorher auf jeden Fall den Arzt fragen, am besten auch
einen Tauchmediziner. Schnorcheln ist zwar weniger
aufregend, dafür aber auch wesentlich ungefährlicher.
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Asthmatikern beim
Bergsteigen in höheren Lagen der geringere Sauerstoffgehalt
der Luft mehr zu schaffen machen kann als anderen.
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Salzwasser und
starke Sonneneinstrahlung am Strand allergische
Hauterkrankungen wie Ekzeme verstärken können; es müssen
geeignete Hautpflegemittel verwendet werden.
Die Reiseapotheke
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Den Inhalt mit dem
behandelnden Allergologen absprechen.
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Genug Medikamente
mitnehmen. Sonnenallergiker müssen auch an fettfreie
Sonnenschutzcreme denken.
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Die Reiseapotheke
gehört ins Handgepäck und nicht in den großen Koffer; der
geht oft genug verloren. Die Medikamente müssen schnell
greifbar sein.
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Für Insektengift-
und Nahrungsmittelallergiker gehört zusätzlich ein
Notfallset mit ins Handgepäck.
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Allergiker
auf Reisen. Auch für Allergiker ist es möglich,
einen unbeschwerten Urlaub zu genießen, wenn
sie bei der Planung und der Vorbereitung einige Tipps
beachten. Hausstaubmilbenallergiker fühlen sich
im trockenen und kühlen Hochgebirgsklima am wohlsten.
Für Pollenallergiker eignen sich Urlaubsgebiete,
in denen Pollen zum gewünschten Termin nicht
fliegen oder vegetationsbedingt gar nicht erst vorkommen.
Bevor es losgeht, sollten Allergiker nochmals ihren
Facharzt aufsuchen, der die Reiseapotheke auf Vordermann
bringen und ggf. einen Allergiepass ausstellen kann.
Außerdem kann er über die Chancen einer
Hyposensibilisierung aufklären. Sogar die Anreise
kann für Allergiker angenehmer gestaltet werden,
wenn sie den Pollenflug berücksichtigen oder
im Flugzeug lieber einen Snack von zu Hause mitbringen,
der garantiert allergenfrei ist. Patienten mit Allergien
gegen Tierhaare, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben
sollten vor dem Reiseantritt in Hotels nach Allergikerzimmern
fragen. Außerdem ist es gut zu wissen, ob Haustiere
in der Unterkunft gestattet sind und ob es genügend
Nichtraucherzonen gibt. Eine Hotelküche, die
auf Nahrungsmittelallergiker vorbereitet ist, kann
so manche böse Überraschung ersparen. Patienten
mit einer starken Allergie auf bestimmte Nahrungsmittel
und Insektengiftallergiker sollten stets Notfallmedikamente
bei sich tragen.
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