Wenn
Wein allergisch macht
Schock
durch Champagner
Eine
echte Weinallergie ist relativ selten, kann aber heftige
Beschwerden auslösen. Einige Patienten erleiden sogar einen
allergischen Schock (Anaphylaxie). Dr. Susanne Schäd und ihre
Kollegen an der Universitäts-Hautklinik in Würzburg
berichteten 2005 über eine 27-jährige Frau, die nach dem
Genuss von Rotwein, Sekt, Weintrauben oder Rosinen innerhalb
einer Stunde juckende Handflächen, Schwellungen an Augen,
Lippen und Zunge, Atemnot, Schluckbeschwerden und
Kreislaufbeschwerden bekam. Die Ursache war eine allergische
Reaktion auf Lipid-Transfer-Proteine (LTP) in Weintrauben.
Allergene LTP finden sich beispielsweise in einigen Obst- und
Gemüsesorten wie Pfirsichen, Kirschen, Mais, Spargel und
Salat.1 Lipid-Transfer-Proteine sind häufig Auslöser
von Allergien im Mittelmeerraum. Aus Spanien wird
beispielsweise der Fall einer jungen Frau berichtet, die nach
dem Genuss von Champagner mehrmals bewusstlos wurde. Sie
erlitt jedoch lediglich einen allergischen Schock, wenn sie
zum Schaumwein auch noch Weintrauben aß.2 Es ist
bisher nur wenig bekannt, ob LTP auch bei uns Auslöser einer
Anaphylaxie sein können.
Anaphylaktische
Schocks sind lebensbedrohlich. Die häufigsten Auslöser sind
Insektengifte, Nahrungsmittel wie Erdnüsse oder Sellerie und
Arzneimittel. Lebenswichtig ist die Identifizierung des Auslösers
durch allergologische Tests. Gefährdete Personen müssen
stets Notfall-Medikamente bei sich tragen. „Eine Allergie
auf Insektengift kann sehr gut mit einer spezifischen
Immuntherapie behandelt werden. Nahezu alle Patienten sind
nach dieser ursächlichen Therapie vor allergischen Schocks
durch das Insektengift geschützt“, sagt der Münchner
Professor Dr. Bernhard Przybilla von der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI).
Gar
nicht selten: Allergiesymptome nach Alkoholgenuss
Nicht
wenige Menschen leiden jedoch nach dem Genuss
unterschiedlicher alkoholischer Getränke unter
Allergiesymptomen im Bereich der Atemwege oder der Haut. Eine
2008 publizierte dänische Studie kommt zu dem Ergebnis, dass
13 Prozent der Erwachsenen im Laufe ihres Lebens bereits
solche Beschwerden nach Alkoholgenuss hatten. Am häufigsten
traten die Symptome nach Rotwein auf,3 häufiger
bei Frauen als bei Männern.4 Die Pathomechanismen
dieser Reaktionen sind bisher noch unklar und vermutlich vielfältig.
Sehr selten sind anaphylaktische Reaktionen auf Ethanol selbst5.
Epidemiologische
Studien ergaben, dass Menschen, die häufiger Alkohol trinken,
vermehrt unter allergischem Schnupfen und Asthma leiden.3
Bei einer früheren Untersuchung von 3.317 Patienten stellten
die dänischen Wissenschaftler fest, dass diejenigen, die
mehrmals pro Woche alkoholische Getränke zu sich nahmen, häufiger
gegen mit der Luft verbreitete Allergieauslöser (Aeroallergene)
sensibilisiert waren.6
Insektengift-Allergie
durch Wein?
Im
Sommer 2007 berichteten spanische Mediziner von fünf
Patienten, die nach den Genuss von Traubensaft oder jungem
Wein Allergiesymptome hatten. Ein Patient erlitt gar einen
anaphylaktischen Schock.7 Ein Hauttest zum
Nachweis einer Allergie war mit dem verdächtigen Wein
positiv, nicht aber mit anderen, älteren Weinproben.
Dagegen fielen Tests mit Insektengift positiv aus, obwohl
keiner der Patienten von einem früheren Bienen- oder
Wespenstich berichtete. Des Rätsels Lösung: In Traubensaft
und jungem Wein ist Insektengift nachweisbar. Wenn Trauben
gepresst werden, geraten vermutlich auch Insekten in das
Produkt. Die spanischen Wissenschaftler glauben, dass
bereits diese geringen Giftmengen bei empfindlichen Menschen
ausreichen, um auf oralem Wege zu Sensibilisierungen und
Allergiesymptomen zu führen. Möglicherweise zersetzen sich
die Gifte während der Reifung der Weine, so dass ältere
Weine sicher sind. „Eine interessante Beobachtung –
dieser Weg der Entwicklung einer Allergie und Auslösung von
Anaphylaxie bleibt allerdings zunächst einmal
hypothetisch“, kommentiert Professor Przybilla. „So hätte
die tatsächliche Auslösung der Symptome durch Insektengift
über einen oralen Provokationstest mit Insektengift
gesichert werden können. Ein solcher Test wurde aber
offensichtlich nicht vorgenommen.“
1.
Schad SG, et al.: Wine anaphylaxis in a German patient:
IgE-mediated allergy against a lipid transfer protein of
grapes. Int Arch Allergy Immunol 2005;136(2):159-164.
2.
Alcoceba Borràs E, et al.: Alcohol-induced anaphylaxis
to grape. Allergol Immunopathol (Madr) 2007;35(4):159-151.
3.
Linneberg A, et al.: Prevalence of self-reported
hypersensitivity symptoms following intake of alkoholic drinks.
Clin Exp Allergy 2008;38(1):145-151.
4.
Nihlen U, et al.: Alcohol-induced upper airway symptoms:
prevalence and co-morbidity. Respir Med 2005;99(6):762-769.
5.
Przybilla B, Ring J: Anaphylaxis to ethanol and
sensitization to acetic acid. Lancet 1983;1:483.
6.
Linneberg A, et al.: Association between alkohol
consumption and aeroallergen sensitization in Danish adults.
Clin Exp Allergy 2006;36(6):714-721.
7.
Armentia A, et al.: Wine-induced anaphylaxis and
sensitization to hymenoptera venom. N Engl J Med
2007;357(7):719-720.
weiter
|