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Hyposensibilisieren
mit Tropfen und Tabletten
Allergien
ursächlich behandeln – ohne Spritzen
Die
spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bietet
Allergikern als einzige Behandlungsmöglichkeit die Chance,
ihre Krankheit dauerhaft zu heilen. Darüber hinaus wirkt die
Immuntherapie im Sinne einer Allergie-Impfung vorbeugend. Sie
kann einen so genannten Etagenwechsel – die Entwicklung
eines allergischen Asthmas bei bestehendem Heuschnupfen –
und Sensibilisierungen gegen weitere Allergene verhindern. Üblicherweise
spritzen Allergologen regelmäßig genau diejenigen Allergene
unter die Haut des Patienten, auf die sein Immunsystem überreagiert.
Dadurch wird es wieder unempfindlicher gemacht. Eine Vielzahl
von Studien belegt die gute Wirksamkeit der Allergie-Impfung
in Form einer Spritzentherapie. Dies betrifft insbesondere
Personen mit einer Insektengift-, Pollen- oder Milbenallergie.1
Nach
Schätzungen der deutschen allergologischen Fachgesellschaften
erhält nur jeder zehnte Heuschnupfenkranke eine
Immuntherapie. Ein Grund dafür liegt darin, dass sich einige
Allergiker aus zeitlichen oder räumlichen Einschränkungen
sowie Angst vor einer Spritze gegen die ursächliche Therapie
entscheiden. „Vom Betroffenen selbst anzuwendende Allergenpräparate
können die Immuntherapie mehr Allergikern zugänglich machen.
Allergene in Tropfenform können die Patienten zu Hause
anwenden“, sagt Professor Claus Bachert, Präsident der
Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische
Immunologie (DGAKI). Diese Form der Immuntherapie, bei der
Betroffene das Allergenpräparat unter die Zunge tropfen, ist
unter Fachkreisen als sublinguale Immuntherapie (SLIT)
bekannt. Seit 2006 gibt es für Menschen mit einer Allergie
auf Gräser- oder Roggenpollen auch eine Gräser-Impf-Tablette.
Diese wird einfach einmal täglich unter die Zunge gelegt, wo
sie innerhalb von Sekunden zergeht.
SLIT
macht das Immunsystem toleranter
Eine
spezifische Immuntherapie stellt bei allergiekranken Menschen
die normale Balance zwischen bestimmten Immunzellen wieder
her. Die Behandlung senkt die Konzentration von für die
Allergie spezifischen IgE-Antikörpern.1 Als Folge
reagiert das Immunsystem nach Kontakt mit dem Allergieauslöser
toleranter. Die Immuntherapie verhindert so frühzeitig eine
allergische Entzündungsreaktion.
Eine
statistische Auswertung mehrerer Einzelstudien (Meta-Analyse)
belegte, dass die SLIT bei Erwachsenen gut wirksam ist.2
„Für die Behandlung von Kindern mit einer sublingualen
Immuntherapie sind weitere Studien wünschenswert. Es ist zwar
in den bisherigen Studien eine Wirkung gezeigt worden, doch
die Studien sind untereinander nur schwer vergleichbar“, erläutert
Professor Carl-Peter Bauer, Vorsitzender der Gesellschaft für
Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin (GPA). Die
deutschen allergologischen Fachgesellschaften betonen in einer
Leitlinie, dass zwischen den einzelnen Präparaten große
Unterschiede in der Wirksamkeit bestehen können.3
Die
Wirksamkeit von Tropfen für die SLIT zeigt eine Analyse der
Ergebnisse von 15 Studien bei Kindern und Jugendlichen (sieben
Studien, n=363) sowie Erwachsenen (acht Studien, n=704). In
den Studien verwendeten Wissenschaftler ein bestimmtes Präparat
mit standardisiertem Allergengehalt. „Die Behandlung von
Atemwegsallergien mit standardisierten Allergenpräparaten ist
wirksam und sicher“, stellte Bachert fest. „Die Studien
zeigen eine Besserung der Allergiebeschwerden bis zu fünf
Jahre nach Therapieende. Außerdem konnte die sublinguale
Immuntherapie das Asthmarisiko senken.“
Einen
hoffnungsvollen Fortschritt für die Allergiebehandlung sieht
Bachert in der Entwicklung der seit November 2006 verfügbaren
Gräser-Impf-Tablette. „Gräser- und Roggenpollenallergiker
können von der schnelllöslichen Tablette profitieren“,
glaubt der Präsident der DGAKI. Der Schluckreflex ist weniger
ausgeprägt als bei der Tropfentherapie. Die Wirksamkeit der
Gräser-Impf-Tablette belegen Studien an über 2.400
erwachsenen Heuschnupfenkranken. Die Betroffenen hatten
weniger Beschwerden und benötigten weniger Medikamente gegen
die Allergiesymptome.4 Für 2008 erwarten
Wissenschaftler die Ergebnisse einer Studie an Kindern mit Gräserpollenallergie.
1.
Kleine-Tebbe J, et al.: Die spezifische
Immuntherapie (Hyposensibilisierung) bei IgE-vermittelten
allergischen Erkrankungen. Überarbeitete Leitlinie der
Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAKI)
und des Ärzteverbands Deutscher Allergologen (ÄDA) und der
Gesellschaft für pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin
(GPA). Allergo J 2006;15:56-74.
2.
Wilson
DR, Lima MT, Durham SR: Sublingual
immunotherapy for allergic rhinitis: systematic review and
meta-analysis. Allergy 2005;60(1):4-12.
3.
Kleine-Tebbe J, Bachert C, et al.: Aktueller
Stellenwert der sublingualen Immuntherapie bei allergischen
Krankheiten. Allergo J 2007;16:492-500
4.
Durham SR, Riis B: Grass allergen tablet immunotherapy
relieves individual seasonal eye and nasal symptoms, including
nasal blockage. Allergy 2007;62:945-957.
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