Schimmelpilz-Allergie
Schimmelpilze
belasten Allergiekranke das ganze Jahr
Am
häufigsten sieht man sie auf verdorbenen Früchten, Brot, Käse
oder anderen Lebensmitteln: Schimmelpilze. Sie bilden in feuchten
Zimmern auch Flecken und Beläge, beispielsweise auf Wänden,
in Zimmerecken und Badezimmerfugen; oft leben sie unentdeckt
hinter Tapeten und Verkleidungen. Die Mikroorganismen können
allergische Atemwegserkrankungen verursachen. Die Allergieauslöser
(Allergene) befinden sich in den Sporen, die die Pilze zur
Fortpflanzung abgeben. Sporen sind mikroskopisch klein und
werden leicht eingeatmet. Sie können bei allergiekranken Menschen
Schnupfen, Niesen, Husten und Atemnot hervorrufen. Übelkeit,
Bauchschmerzen und Durchfall nach dem Verzehr von schimmelpilzhaltigen
Lebensmitteln sind manchmal ebenfalls Zeichen einer Schimmelpilz-Allergie.
Fachärztliche Behandlung hilft
Weil
Schimmelpilze sowohl draußen als auch in Innenräumen verbreitet
sind, kann ein Kontakt mit den Allergenen nicht vermieden
werden. Schimmelpilz-Allergiker bekommen ihre Beschwerden
nur durch eine ärztliche Behandlung in den Griff. Professor
Dr. Thomas Fuchs, Präsident des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen:
„Menschen, die bei sich eine Allergie vermuten, sollten rechtzeitig
zu einem allergologisch ausgebildeten Facharzt gehen und sich
untersuchen lassen. Eine Schimmelpilz-Allergie muss behandelt
werden. Sie führt leicht zu schwerem Asthma.“ Neben antiallergischen
Medikamenten kommt eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung)
in Frage. Dabei wird das Immunsystem durch die regelmäßige
Injektion von Allergen-Präparaten unempfindlich gemacht. Diese
ursächliche Behandlung, die seit langem erfolgreich gegen
Allergien auf Pollen oder Hausstaubmilben eingesetzt wird,
war in der Vergangenheit bei einer Schimmelpilz-Allergie weniger
wirkungsvoll. Es fehlten standardisierte Allergen-Extrakte.
Inzwischen steht zumindest für Schimmelpilze der Gattung
Alternaria ein molekular standardisiertes Allergen-Präparat
zur Verfügung.
Lebensbedrohliche Asthmaanfälle durch Schimmelpilz-Sporen
Schimmelpilze können
bei allergiekranken Menschen zu sehr schweren Asthmaanfällen
mit lebensbedrohlicher Atemnot führen. Zwischen einer Allergie
auf Schimmelpilze und dem Schweregrad von Asthma besteht
sogar ein direkter Zusammenhang. Das hat eine französische
Untersuchung aus dem Jahr 2002 gezeigt.1 Forscher
hatten Allergietests von über 1.000 erwachsenen Asthmapatienten
aus verschiedenen Ländern ausgewertet. Bei mehr als zehn
Prozent wurde im Hauttest eine positive Reaktion auf Schimmelpilz-Allergene
festgestellt. Diese Asthmatiker litten unter einer schwereren
Form von Asthma als solche, die auf Blütenpollen allergisch
reagierten. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Sporen
aufgrund ihrer geringen Größe leichter eingeatmet werden
und tiefer in die Atemwege gelangen als Pollen. Zudem kommen
Schimmelpilz-Sporen das ganze Jahr hindurch und im Gegensatz
zu Blütenpollen auch in Wohnräumen vor. „Schimmelpilze in
der Wohnung müssen unbedingt bekämpft werden“, so der Allergologe
Fuchs. Er empfiehlt regelmäßiges stoßweises Lüften, um die
Luftfeuchtigkeit zu reduzieren. Pilzbesiedelte Gegenstände
und Blumenerde sollten aus der Wohnung entfernt werden.
„Bei einem großflächigen Pilzbefall an Wänden müssen oft
nicht nur die Tapeten, sondern auch der Putz und Fugenmörtel
fachmännisch erneuert werden.“
1
Zureik M et al.: Sensitisation to airborne moulds and severity
of asthma: cross sectional study from European Community respiratory
health survey. BMJ
2002;325:411-414.
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