Deutsche
Studie untersucht erstmals Auftreten von Heuschnupfen bei
Lebenspartnern
Risikofaktor
Partnerschaft
Wenn
der Frühling kommt, die Sonne wieder wärmt und die Bäume grünen,
dann kriecht in vielen Menschen Angst hoch. Erreichen die
Temperaturen nämlich Werte von 10 bis 15 Grad, fliegen die
Pollen wieder. Erle und Hasel streuen sie als erste in die
Luft – oft schon ab Januar. Und damit beginnt die Qual:
Nasen laufen, Augen tränen. Das belastet aber nicht nur die
Allergiker, sondern oft auch ihre Partner. So manche Beziehung
wird auf eine harte Probe gestellt. Pollenflugvorhersagen
bestimmen den Tagesablauf. Alltag, Freizeit, Urlaub – alles
richtet sich nach der allergischen Erkrankung. Spontan etwas
im Freien zu unternehmen, ist kaum mehr möglich. Die
Betroffenen leiden unter Schlafstörungen, Niesattacken,
Kopfschmerzen oder juckenden Augen. Viele fühlen sich richtig
krank, würden sich am liebsten verkriechen und haben keine
Lust auf gemeinsame Unternehmungen. Das drückt auch auf die
Stimmung der Partner. Aber damit nicht genug.
Ein
Heuschnupfen kommt selten allein
Eine
deutsche Studie unter der Leitung von Torsten Schäfer,
Allergologe und Professor für Klinische Epidemiologie am
Universitätsklinikum Lübeck, hat ergeben: Partner von
Heuschnupfen-Patienten erkranken um ein Drittel häufiger an
allergischem Schnupfen als diejenigen mit einem Lebensgefährten
ohne Heuschnupfen. „Diese Häufung weist darauf hin, dass
gemeinsame Umwelt- und Lebensstilfaktoren der Paare die
Entstehung von Heuschnupfen beeinflussen können“, sagt
Professor Schäfer, der auch Mitglied der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und Immunologie (DGAI) ist.
„Dafür spricht außerdem unser Nachweis, dass das
Erkrankungsrisiko von der Dauer der Partnerschaft abhängt.“
Während zahlreiche Untersuchungen bereits genetische Ursachen
und damit eine familiäre Häufung allergischer Erkrankungen
belegt haben, hat diese Studie erstmals nicht verwandte
Lebenspartner untersucht und damit den Einfluss von
Lebensstil- und Umweltfaktoren, betont der Allergologe. Dabei
zeigten sich bei den Partnern vielfach Übereinstimmungen, zum
Beispiel im äußeren Erscheinungsbild oder im Hinblick auf
den Sozialstatus. Hier könnte eine Ursache für gemeinsame
Risikofaktoren liegen. Noch nicht sicher ist, ob sich die
Partner erst im Laufe ihrer Beziehung einander angepasst haben
oder ob die Ähnlichkeiten schon vorher bestanden. Die
Wissenschaftler halten Letzteres für wahrscheinlich. „Oft
suchen sich Menschen Partner aus der gleichen sozialen
Schicht, die unter vergleichbaren Verhältnissen aufgewachsen
sind und ähnliche Interessen haben“, so Professor Schäfer.
Zudem schließt er nicht aus, dass Allergiker auch verstärkt
auf Symptome bei ihren Partnern achten und dadurch die
Erkrankung eher festgestellt wird. „Dies könnte tatsächlich
ein Grund dafür sein, dass oftmals beide Partner Heuschnupfen
haben. Deshalb haben wir uns in unserer Auswertung nur auf ärztlich
bestätigte Heuschnupfendiagnosen beschränkt“, erklärt
Professor Schäfer. In jedem Fall sind zukünftige Studien
notwendig, um die Ergebnisse weiter abzuklären.
Wer
Heuschnupfen unterschätzt, riskiert ein Asthma
Dass
Heuschnupfen-Patienten sensibel auf ihre Beschwerden und die
ihrer Partner reagierten, wäre nur wünschenswert. Leider ist
die Realität aber eine andere. Noch immer nehmen viele
Menschen den Heuschnupfen nicht ernst. Nach Schätzungen des
Ärzteverbandes Deutscher Allergologen (ÄDA) lässt sich nur
etwa ein Viertel der Allergiker ärztlich behandeln. Zu einem
allergologisch ausgebildeten Facharzt geht sogar nur jeder
Zehnte. „Das ist gefährlich“, warnt Professor Thomas
Fuchs, Präsident des ÄDA. „Denn ohne fachgerechte
Behandlung entwickeln 40 Prozent der Patienten mit
allergischem Schnupfen ein Asthma bronchiale.“ Er empfiehlt
daher Patienten mit Symptomen eines Heuschnupfens, frühzeitig
einen Allergologen aufzusuchen. Der kann eine gezielte
Diagnostik durchführen und die richtige Therapie einleiten.
Dadurch lassen sich Folgeschäden vermeiden oder zumindest
reduzieren. So kann zum Beispiel bei Heuschnupfen-Patienten
eine spezifische Immuntherapie (SIT) den so genannten
Etagenwechsel zum Asthma bronchiale verhindern. Die SIT wird
im Herbst und damit in der pollenfreien Zeit begonnen. Die
Varianten Kurzzeit-SIT und Sublinguale Immuntherapie (SLIT)
ermöglichen sogar einen von der Jahreszeit unabhängigen
Behandlungsbeginn. Die SIT bessert langfristig die Symptome
und reduziert das Risiko für Neusensibilisierungen. Die
Erfolgsrate beträgt bei Verwendung von modernen Allergen-Präparaten
etwa 90 Prozent. „Uns stehen heute gute Möglichkeiten zur
Verfügung, um allergische Erkrankungen adäquat zu behandeln.
Daher muss kein Allergiker mehr unnötig leiden“, erklärt
Professor Fuchs. Und von der wiedergewonnenen Lebensqualität
profitieren nicht nur die Patienten – auch ihre Partner können
aufatmen.
·
Merkl, J., Klemm, E., Wichmann, H.-E., Ring, J.,
Schäfer, T.: Heuschnupfen bei Partnern. Allergo Journal
10:320-3, 2001.
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