Neu
entdeckte Substanzen aus Pollen machen Immunsystem
empfindlicher
PALMs
– Wegbereiter für die Pollenallergie
Lübeck,
26. September 2007 – Niesen, Schnupfen, juckende
Augen – in Deutschland leiden nahezu 20 Millionen der
Erwachsenen an allergischem Schnupfen.1,2
Ursache ist neben Hausstaubmilben vor allem Blütenstaub.
Die Pollenkörner bestimmter Pflanzen enthalten Eiweißstoffe,
auf die empfindliche Menschen mit einem Heuschnupfen
reagieren. Aber Pollen enthalten nicht nur Allergene. Sie
setzen außerdem Fettsäuren, so genannte
Pollen-assoziierte Lipidmediatoren (PALM), frei, die das
Immunsystem auf direktem Wege reizen. Möglicherweise
hilft die Entdeckung der PALMs die Frage zu beantworten,
warum in den letzten Jahrzehnten immer mehr Menschen an
Heuschnupfen erkrankt sind. Die Privat-Dozentin Dr.
Claudia Traidl-Hoffmann vom Zentrum Allergie- und Umwelt Münchner
(ZAUM) wird auf dem 2. Gemeinsamen Deutschen
Allergie-Kongress vom 26. bis 27. September 2007 in Lübeck
neue Erkenntnisse über PALMs präsentieren. „Die
Allergieraten sind vor allem in der zweiten Hälfte des
letzten Jahrhunderts stark angestiegen und halten sich
jetzt auf einem hohen Niveau“, sagte Professor Dr.
Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI),
auf dem Allergie-Kongress in Lübeck. „Die PALMs sind
neben der Klimaerwärmung möglicherweise ein
entscheidender Schlüssel zur Erklärung der hohen Zahlen
von Pollenallergikern“, so der Bochumer Allergologe und
Lungenfacharzt.
Luftschadstoffe
machen Pollen aggressiver
Schätzungsweise
32 Prozent der Heuschnupfenpatienten haben eine Allergie
gegen Gräserpollen und 29 Prozent gegen Birkenpollen.3
Mitarbeiter des ZAUM - Zentrum Allergie und Umwelt München
– stellten Ende der 90iger Jahre unter der Leitung von
Professor Dr. Heidrun Behrendt fest, dass Gräserpollen
und Birkenpollen nicht nur Allergene enthalten. Sie setzen
mit den PALMs auch Substanzen frei, die in ihrer Struktur
und ihrer Funktion Botenstoffen des Menschen ähneln.
Traidl-Hoffmann konnte in der Arbeitsgruppe Zelluläre
Immunologie herausstellen, dass PALMs bestimmte weiße
Blutkörperchen direkt aktivieren (Neutrophile und
Eosinophile) und somit per se proentzündlich wirken.4
Dendritische Zellen, die zentralen Vermittler des
Immunsystems, werden darüber hinaus durch PALMs so
stimuliert, dass diese eine entzündliche Reaktion in eine
Th2-dominierte, proallergische Richtung drängen.5,6
„Alle Menschen atmen Pollen ein und kommen während der
Pollensaison ständig mit den Pollenallergenen wie auch
mit den Allergie fördernden PALMs in Kontakt. Für uns
stellt sich nun weniger die Frage, warum viele Menschen an
Heuschnupfen erkranken, sondern was bei denen anders ist,
die gesund bleiben! Hier öffnen sich der Forschung
Gebiete, die möglicherweise zu neuen Behandlungsmöglichkeiten
bei Allergien führen“, hofft Traidl-Hoffmann.
Die
Münchner Arbeitsgruppe fand bei der Untersuchung der
PALMs eine mögliche Erklärung dafür, warum Pollen in
den letzten Jahrzehnten scheinbar so aggressiv geworden
sind: „Pollenkörner setzen in Regionen mit hoher
Schadstoffbelastung besonders viele PALMs frei“, erklärt
die Münchner Forscherin. „Die Tatsache, dass mit
zunehmender Industrialisierung und in Gegenden mit starkem
Straßenverkehr mehr Menschen unter einen Pollenallergie
leiden, könnte zum Teil mit diesem Phänomen zusammenhängen.“
Bei
Pollenallergie im Herbst zum Allergologen
Schon
seit längerem ist bekannt, dass die Balance zwischen Th1-
und Th2-Zellen bei Allergikern mit einer spezifischen
Immuntherapie wieder hergestellt werden kann. Diese auch
als Hyposensibilisierung oder Allergie-Impfung bezeichnete
Therapie ist die einzige Behandlung, mit der das
Immunsystem bei Allergiekranken unempfindlicher gemacht
werden kann. DGAKI-Präsident Professor
Schultze-Werninghaus rät anlässlich des Lübecker
Allergie-Kongresses allen bisher unbehandelten
Pollenallergikern, einen Allergologen aufzusuchen:
„Jetzt nach den Sommerferien, wenn der Pollenflug zu
Ende geht, ist die richtige Zeit, um mit einer
spezifischen Immuntherapie anzufangen. Bereits im nächsten
Frühling können die Beschwerden dann deutlich gebessert
sein.“ Bei einer spezifischen Immuntherapie wird das
Immunsystem der Allergiker durch die regelmäßige Gabe
geringer Allergenmengen an den Allergieauslöser gewöhnt.
Die Behandlung dauert meistens drei Jahre und hilft bis zu
90 Prozent der Pollenallergiker. Die Präparate gibt es in
Form von Spritzen – heutiger Standard –, in Form von
Tropfen und, bisher nur gegen die Allergie auf Gräserpollen,
in Form einer neuen, schnelllöslichen Tablette.
Voraussetzung für den Behandlungserfolg ist eine fachärztliche
Allergiediagnostik.
Auszug
aus dem Programm des Allergie-Kongresses Lübeck
·
Freitag, 28. September 2007, 11.30-13.00
Uhr, Symposium 11:
Pollenassoziierte Lipidmediatoren – Wegbereiter der allergischen
Reaktion auf Pollen? (Priv.-Doz. Dr. Claudia Traidl-Hoffmann,
München)
Quellen
1.
Weißbuch Allergie in Deutschland, 2.
Auflage. DGAKI, ÄDA, DAAU (Ring J, Fuchs T,
Schultze-Werninghaus G, Hrsg.), Urban und Vogel, München
2004. ISBN 3-89935-182-7
2.
Statistisches Bundesamt Deutschland: 2006:
Bevölkerungsrückgang hält an. Pressemitteilung vom 5.
Januar 2007. (Einwohnerzahl Deutschland 2006: 82,31 Millionen)
Link
hier
3.
Heinzerling
L et al: Standard skin prick testing and sensitization to
inhalant allergens across Europe – a survey from the GA2LEN
network. Allergy 60:1287-1300; 2005.
4.
Traidl-Hoffmann
C, Plötz S, Kasche A, Jakob T, Ring J, Behrendt H.
Chemotaxis and activation of human peripheral blood
eosinophils induced by pollen derived lipid mediators. J
Allergy Clin Immunol, 113:1152-1160; 2004
5.
Mariani
V, Gilles, S, Jakob T, Thiel M, Ring J, Heidrun Behrendt,
Traidl-Hoffmann C.Immunomodulatory mediators from pollen
enhance the migratory capacity of dendritic cells and
licence them for Th2 attraction. J Immunol: 178:7623-31,
2007
6.
Traidl-Hoffmann
C, Jakob T, Mariani V, Hochrein H, Karg K, Müller MJ, Wagner
H, Ring J and Heidrun Behrendt.Pollen associated phytoprostanes
inhibit dendritic cell IL-12 production and augment Th2
Polarization. J Exp Med 201:627-36. 2005.

PALMs
- Wegbereiter für die Pollenallergie
In Deutschland leiden nahezu 20 Millionen der Erwachsenen
an Heuschnupfen. "Die Allergieraten sind vor allem
in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts stark
angestiegen und halten sich jetzt auf einem hohen Niveau",
sagte Professor Dr. Schultze-Werninghaus, Präsident
der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische
Immunologie (DGAKI), auf dem 2. Gemeinsamen Deutschen Allergie-Kongress
in Lübeck. Die Pollenkörner bestimmter Pflanzen
enthalten Allergene, auf die empfindliche Menschen mit einem
allergischen Schnupfen reagieren. Zudem setzen die Pollen
Fettsäuren frei, so genannte Pollenassoziierte Lipidmediatoren
(PALM). Mitarbeiter des Zentrums Allergie und Umwelt München
(ZAUM) stellten unter der Leitung von Professor Dr. Heidrun
Behrendt fest, dass Gräser- und Birkenpollen mit den
PALMs Substanzen freisetzen, die Botenstoffen des Menschen
ähneln. Sie können das Immunsystem auf direktem
Wege reizen. Laut des Allergologen Schultze-Werninghaus
seien die PALMs neben der Klimaerwärmung möglicher-weise
ein entscheidender Schlüssel zur Erklärung der
hohen Zahlen von Pollenallergikern.
Bisher ist die spezifische Immuntherapie die einzige Behandlung,
mit der das Immunsystem bei Allergiekranken unempfindlicher
gemacht werden kann. Allergenpräparate gibt es bisher
in Form von Spritzen und Tropfen. Jetzt steht Heuschnupfenkranken
auch eine neue, schnelllösliche Gräser-Impf-Tablette
zur Verfügung. Einmal täglich unter die Zungen
gelegt, macht sie das Immunsystem unempfindlicher gegen
die Gräserpollenallergie.