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Presseinformation

Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie e. V. (DGAKI)
Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V. (GPA)


Allergie auf Birkenpollen kann Soja zur Gefahr machen

Lübeck, 26. September 2007 – Für Birkenpollenallergiker ist die Sojabohne ein problematisches Lebensmittel. Der Grund: Das wichtigste Allergen der Birkenpollen, Bet v 1, weist in seiner Struktur große Übereinstimmungen mit dem Sojaprotein Gly m 4 auf. Dadurch können Menschen mit einer Allergie auf Birkenpollen auch nach dem Genuss von Sojaprodukten allergische Beschwerden entwickeln.1 „Soja kann bei Birkenpollenallergikern schwere Allergiesymptome auslösen. Im schlimmsten Fall droht ein lebensgefährlicher anaphylaktischer Schock“, warnt Professor Dr. Torsten Schäfer von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI).

Bei Allergie auf Birkenpollen lieber keine Sojagetränke konsumieren

Wissenschaftler von der Universitäts-Hautklinik Leipzig um Professor Dr. Jan C. Simon, Professor Dr. Joachim Thiery und Dr. Anke Süß haben das Risiko einer Kreuzallergie auf Soja bei dreißig Patienten mit einer Allergie auf Birkenpollen näher untersucht. Die Ergebnisse werden erstmals auf dem 2. Gemeinsamen Deutschen Allergie-Kongress vom 26. bis 29. September 2007 in Lübeck präsentiert.

Anlass zu dieser Untersuchung lieferten drei Birkenpollenallergiker, die nach dem Genuss von Sojaprodukten schwere allergische Reaktionen mit Schwellungen des Gesichtes und ausgeprägter Atemnot entwickelten und sich zur Behandlung in der Hautklinik Leipzig vorgestellt hatten.2 „In unserer aktuellen Untersuchung waren 25 von 30 untersuchten Birkenpollenallergikern auch gegen das kreuzreaktive Sojaprotein Gly m 4 sensibilisiert. Immerhin elf Patienten berichteten über klinisch relevante – vier davon auch über schwere – Symptome nach dem Genuss von Soja-Produkten. Eine Gefahr, schwere Soforttyp-Allergien zu erleiden, besteht vor allem für Birkenpollenallergiker, die rasch sojaproteinreiche Nahrungsmittel wie Sojagetränke oder Sojadesserts zu sich nehmen“, berichtet Süß.

„Das Risiko einer kreuzallergischen Reaktion auf Sojaprodukte ist für Birkenpollenallergiker möglicherweise höher als bisher angenommen“, so Schäfer.

Falscher Test schockt Allergiepatienten

Nahrungsmittelallergiker sollten sich aber keinesfalls auf die Ergebnisse so genannter IgG-Tests verlassen. Diese sind für die Diagnose einer Nahrungsmittelallergie unbrauchbar und werden im Gegensatz zu Tests auf Antikörper der Klasse IgE auch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. IgG-Tests können zu fatalen Fehldiagnosen führen. Dr. Ullrich Krüger und Professor Dr. Thomas Fuchs von der Universitäts-Hautklinik in Göttingen werden auf dem Allergie-Kongress in Lübeck dazu einen interessanten Fall vorstellen: Ein Patient mit einer laut IgG-Test vermeintlichen „Kuhmilchunverträglichkeit“ hatte nach dem falschen Testergebnis seine Ernährung umgestellt und anstelle von Kuhmilch Sojamilch getrunken. Nach drei Monaten musste er wegen einer Soja-Allergie intensivmedizinisch behandelt werden. Die allergologische Untersuchung wies eine Allergie auf Sojaeiweiß nach. „Der Patient muss nun alle Nahrungsmittel und insbesondere auch Medikamente, die Sojabestandteile enthalten, strikt meiden“, sagt Dr. Krüger. „Dagegen kann er Kuhmilch unverändert komplikationslos vertragen.“

Schwerer Narkosezwischenfall durch Soja-Allergie

Dass Soja-haltige Medikamente gefährlich für Allergiker sein können, ist bisher weitgehend unbekannt. Anhand eines sehr schweren Falles informieren Dr. Timo Buhl und seine Kollegen von der Hautklinik in Göttingen die auf dem Allergie-Kongress in Lübeck versammelten Fachärzte über diese Problematik: Ein 22jähriger Patient erlitt während der Narkose einen anaphylaktischen Schock. Der Grund: Eine Allergie gegen die Narkosemittel. Eines der verwendeten Präparate enthielt Sojaöl. Gerade dieses Präparat wird aufgrund seiner raschen Wirkung in den letzten Jahren immer häufiger eingesetzt.

Bei Verdacht auf Kreuzallergie zum Allergologen

Schäfer rät Birkenpollenallergikern, die auch eine Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln beobachten, einen auf Allergien spezialisierten Facharzt aufzusuchen, um die individuelle Gefährdung ermitteln zu lassen. Eine Birkenpollenallergie lässt sich mit Symptom lindernden Medikamenten wie Antihistaminika oder kortisonhaltigen Nasensprays behandeln. Die Ursache der Erkrankung kann allerdings nur eine spezifische Immuntherapie („Allergie-Impfung“, Hyposensibilisierung) bekämpfen. Dazu werden den Patienten nach einer Anfangsbehandlung mit wöchentlichen Injektionen alle vier bis acht Wochen standardisierte Allergenextrakte unter die Haut gespritzt. Diese Behandlung führt dazu, dass sich die Funktion des Immunsystems normalisiert und bei Kontakt mit dem Allergen keine oder zumindest nur eine deutlich abgeschwächte Überempfindlichkeitsreaktion ausgelöst wird. Bei Pollenallergien profitieren über 90 Prozent der behandelten Patienten von einer Immuntherapie. „Mit einer erfolgreichen Hyposensibilisierung können sich auch Kreuzallergien bessern“, so der Lübecker Allergologe Professor Dr. Torsten Schäfer.

Soja ist in 30.000 Lebensmitteln enthalten

Lebensmittel aus Soja werden immer beliebter. Deutschland gehört zu den Hauptimporteuren der kleinen Bohne, die vor allem in Nord- und Süd-Amerika und in Asien angebaut wird. Doch aus allergologischer Sicht bereiten Sojaprodukte zunehmend Probleme. Die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen zählt Soja zu den acht wichtigsten Nahrungsmittelallergenen: 28 Proteine aus der Sojabohne werden als Allergene verdächtigt.2 Eine Soja-Allergie kann durch einen allergischen Schocks sogar tödlich verlaufen.

Grund dafür, dass Soja als Allergen eine immer größere Bedeutung gewinnt, ist die zunehmende Verbreitung. Wegen ihres Protein-Reichtums werden Sojaprodukte wie Tofu oder Sojamilch im Rahmen einer vegetarischen Ernährung oft als Ersatz für Fleisch und Kuhmilch konsumiert. Daneben nutzt die Lebensmittelindustrie Soja und seine Bestandteile in vielen anderen Produkten. Etwa 30.000 Lebensmittel enthalten heutzutage Bestandteile der Sojabohne.3 Sojalecithin dient zum Beispiel in Backmitteln als Emulgator, der die Verarbeitung von Teig erleichtern soll, Sojamehl wird in vielen Backwaren mitverarbeitet. In Süßwaren kommen ebenfalls oft Sojamehl und Lecithin zum Einsatz. Der dadurch häufige und fast unvermeidbare Kontakt mit Sojaproteinen kann das Entstehen einer Überempfindlichkeit begünstigen. Aus diesem Grund sollte Allergie-gefährdeten Säuglingen keine Sojamilch zu trinken gegeben werden. Das Allergie-Risiko wird dadurch nicht gesenkt, wie man früher annahm4 – vielmehr setzt man die Kinder einem erhöhten Risiko einer Soja-Allergie aus.  

 

Auszug aus dem Programm des Allergie-Kongresses Lübeck

·      Donnerstag, 27. September 2007, 9.00-11.00 Uhr, Plenum 1:
Epidemiologie der Nahrungsmittelallergie in Europa (Prof. Dr. Torsten Schäfer, Lübeck)

·      Donnerstag, 27. September 2007, 17.15 Uhr, Freie Vorträge 1 (Abstract-ID: P3):
Sojaöl in Propofol: schwerer Narkosezwischenfall bei einem Soja-Allergiker (Dr. Timo Buhl, Göttingen)

·      Abstract-ID: P4:
Frequenz und klinische Relevanz einer Sensibilisierung auf das Bet v 1-kreuzreaktive Sojaprotein Gly m 4 bei Patienten mit Birkenpollenallergie (Dr. Anke Süß, Leipzig)

·      Abstract-ID: P12:
Fehldiagnose Kuhmilchunverträglichkeit nach IgG-Bestimmung: Schockfragmente auf Sojamilch nach Ernährungsumstellung (Dr. Ullrich Krüger, Göttingen)

 

Quellen

1   Kleine-Tebbe J et al: J Allergy Clin Immunol 2002; 110(5): 797-804

2   Süß A et al.: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft 2005; 3: 895-897

3   Cordle, CT: The Journal of Nutrition 2004; 134 (Suppl.): 1213S-1219S

4   Osborn DA, Sinn J: Cochrane Database of Systematic Reviews 2004, Issue 3

 

Nahrungsmittelallergie - Soja in 30.000 Lebensmitteln enthalten

Nahrungsmittelallergie - Soja in 30.000 Lebensmitteln enthalten
Die Food and Agriculture Organization (FAO) der Vereinten Nationen zählt Soja zu den acht wichtigsten Nahrungsmittelallergenen: 28 Proteine aus der Sojabohne werden als Allergene verdächtigt. Eine Soja-Allergie kann, wie eine Erdnussallergie, durch einen allergischen Schock (Anaphylaxie) tödlich verlaufen. Grund für die immer größere Bedeutung von Soja als Allergen, ist die zunehmende Verwendung: Etwa 30.000 Lebensmittel enthalten Bestandteile der Sojabohne - häufig als Ersatz für Fleisch und Kuhmilch. Dies stellt auch für viele Heuschnupfenpatienten ein Problem dar, da Birkenpollenallergiker auf Soja allergisch reagieren können (Kreuzallergie). Professor Dr. Torsten Schäfer von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) rät Heuschnupfenkranken, die auch eine Nahrungsmittelunverträglichkeit beobachten, einen auf Allergien spezialisierten Facharzt aufzusuchen. Denn bei Pollenallergien profitieren über 90 Prozent der behandelten Patienten von einer spezifischen Immuntherapie. "Mit einer erfolgreichen Hyposensibilisierung können sich auch Kreuzallergien bessern", sagt Schäfer.

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