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Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI)

9. März 2005


Die Pollensaison beginnt

Milliarden winziger Quälgeister wieder auf großer Fahrt

Sie sind unendlich viele: Eine einzige Roggen-Ähre setzt etwa fünf Millionen Pollen frei1, der Blütenstand einer Birke mehr als fünf Millionen2 und ein durchschnittlicher Haselnussbusch 600 Millionen3. Insgesamt fallen in Mitteleuropa jedes Jahr durchschnittlich 27.000 Pollenkörner aller Art pro Quadratzentimeter Erdoberfläche nieder.3 Auch jetzt sind sie schon wieder unterwegs. Erle und Haselnuss lassen ihre Pollen oftmals sehr früh im Jahr fliegen. „Erlenpollen weisen wir bereits seit der zweiten Januarwoche in der Luft nach. Erlen haben in diesem Jahr sogar vor der Haselnuss zu blühen begonnen. Das ist ein ungewöhnlicher Vorgang, dessen Ursache wir noch nicht kennen“, erläutert Professor Dr. Karl-Christian Bergmann von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). Bergmann geht davon aus, dass auch die Birke, einer der wichtigsten Allergieverursacher in Deutschland, dieses Jahr mit der Blüte früh beginnt – je nach Region Ende März/Anfang April. Einziger Lichtblick: Der Birkenpollenflug wird geringer ausfallen als 2004. Nach der sehr intensiven Blüte 2004 brauchen die Bäume eine Erholungspause.

Welcher Baum genau im Frühling die Nase zum Laufen bringt, lässt sich manchmal nur schwer sagen. Denn wenn man die Pollen von Erle, Hasel und Birke genauer betrachtet, stellt man fest, dass sich ihre Allergie-auslösenden Eigenschaften stark ähneln. Aus diesem Grund reagieren viele Patienten in Allergie-Hauttests auch auf alle Pollen gleichzeitig.

Fünf bis zehn Pollen pro Kubikmeter Luft – und die Nase läuft

Pollen sind winzig, durchschnittlich ein Drittel so dick wie ein menschliches Haar und mit bloßem Auge gerade noch zu erkennen.4 Sie können deshalb vom Wind getragen beträchtliche Strecken zurücklegen – manchmal hunderte und tausende von Kilometern. In Mitteleuropa sind regelmäßig Pollen aus dem marokkanischen Atlas-Gebirge nachweisbar, und Allergikern in Stockholm kann die Blüte des Traubenkrauts in Ungarn, Polen, Tschechien oder der Ukraine zu schaffen machen.4 Selbst die durchschnittliche Reisestrecke von etwa 100 Metern5 ist gemessen an der geringen Größe der Pollenkörner eine beträchtliche Entfernung.

Massenhaftes Auftreten und weite Verbreitung sind entscheidende Eigenschaften der Pollen. Nur so können luftbestäubte Pflanzen sicherstellen, dass genug Pollenkörner an weiblichen Blüten hängen bleiben, sie befruchten und die Arterhaltung gewährleisten. Für Pollenallergiker werden diese Eigenschaften allerdings zum Problem. „Bei Menschen mit einer Allergie gegen Birkenpollen oder die Pollen anderer Bäume reichen zehn Pollenkörner pro Kubikmeter Luft pro Tag aus, um eine allergische Reaktion in Gang zu setzen“, so Professor Bergmann. „Bei einer Allergie auf Gräserpollen genügen sogar schon fünf Pollen.“ Durch geschlossene Wohnungsfenster, Auto-Belüftungsanlagen mit Pollenfilter und tägliches Haarewaschen gelingt es kaum, die Umgebung ausreichend pollenfrei zu halten. Zumal wegen der Reisefreudigkeit der Pollen auch dann die Nase laufen kann, wenn in der unmittelbaren Umgebung gar keine Pollen-schleudernden Pflanzen wachsen.

Vor den Pollen nicht kapitulieren

Fatalismus gegenüber der scheinbaren Übermacht der Pollen ist allerdings fehl am Platz. Gerade Pollenallergien lassen sich wirkungsvoll behandeln. Antiallergische Medikamente wie moderne Antihistaminika und Kortisonpräparate lindern effektiv die Beschwerden. Bergmann: „Mit der spezifischen Immuntherapie steht sogar eine ursächliche Behandlungsform zur Verfügung, die Allergien heilen kann.“ Bei einer spezifischen Immuntherapie (SIT), auch Allergie-Impfung oder Hyposensibilisierung genannt, werden dem Patienten standardisierte Allergen-Präparate mit den für ihn relevanten Allergie-Auslösern (also zum Beispiel Pollen) in gelöster Form regelmäßig unter die Haut injiziert. Dadurch gewöhnt sich das fehlgesteuerte Immunsystem an die Allergieauslöser und reagiert in der Pollensaison nicht mehr mit einer krankhaften Abwehrreaktion.
„Über 90 Prozent der so behandelten Pollenallergiker kann auf diese Weise geholfen werden“, erläutert Bergmann. Vor dem Beginn einer SIT muss ein auf die Behandlung von Allergien spezialisierter Facharzt aufgesucht werden. Er kann feststellen, gegen welche Pollen der Patient allergisch reagiert. Das ist die Voraussetzung um ein individuell auf den einzelnen Patienten zugeschnittenes Medikament für die SIT auszuwählen.

 

1   Grevers, Gerhard und Röcken, Martin: Taschenatlas der Allergologie (2001), Georg Thieme Verlag Stuttgart, S. 40

2   Liem, A. S., Groot, J.  Anthesis and pollen dispersal of Holcus lanatus L. and Festuca rubra L. in  relation to climate factors. Rev. Palaeobotany Palynology 15 (1973) 3;
zitiert aus: Kusche, Anna (2002): Wechselwirkungen zwischen Birkenpollen und humanen polymorphonukleären Granulozyten von Atopikern und Normalpersonen: Bedeutung für die Initialphase der allergischen Entzündung. Dissertation an der Fakultät für Medizin der Technischen Universität München

3   Wahl, Rüdiger: Allergie Ganz einfach, 2. Auflage 1994, Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle, S. 14

4   www.polleninfo.org

5   Solomon WR: Airborne pollen: A brief life; J Allergy Clin Immunol. 2002 (109): 895-900

 

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  Pollenflug: Immer eher, länger und stärker
Für Meteorologen steht fest: Die Temperaturen auf der Erde steigen. Für viele Allergiker verlängert sich dadurch die Leidenszeit. Denn in milden Wintern beginnen Bäume wie Haselnuss, Erle und Birke eher zu blühen. Menschen, die auf Baumpollen allergisch reagieren, entwickeln deshalb oft schon im Winter eine Rhinokonjunktivitis und Asthmasymptome. Professor Dr. Siegfried Jäger von der HNO-Klinik der Universität Wien hat die Daten des Europäischen Pollenflugnetzwerkes EAN von 1974 bis 2004 ausgewertet. Er weiß genau, wann die Bäume ihre Frühlingsgefühle bekommen: "Frühblüher wie Hasel und Erle beginnen mit der Blüte, wenn die Summe der Tageshöchsttemperaturen ab dem ersten Dezember 300 über-schreitet." Pollenallergiker sollten rechtzeitig eine adäquate Behandlung erhalten, damit die allergische Atemwegserkrankung sich nicht ausweitet.

Insgesamt fallen in Mitteleuropa jedes Jahr durchschnittlich 27.000 Pollenkörner aller Art pro Quadratzentimeter Erdoberfläche nieder. Dabei machen oft schon kleine Mengen Pollen den Allergikern zu schaffen. "Bei Menschen mit einer Allergie gegen Birkenpollen oder die Pollen anderer Bäume reichen zehn Pollenkörner pro Kubikmeter Luft pro Tag aus, um eine allergische Reaktion in Gang zu setzen", erklärt Professor Dr. Karl-Christian Bergmann von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI). "Bei einer Allergie auf Gräserpollen genügen sogar schon fünf Pollen." Durch geschlossene Wohnungsfenster, Auto-Belüftungsanlagen mit Pollenfilter und tägliches Haarewaschen gelingt es kaum, die Umgebung ausreichend pollenfrei zu halten. Fatalismus gegenüber der scheinbaren Übermacht der Pollen ist allerdings fehl am Platz. Gerade Pollenallergien lassen sich wirkungsvoll behandeln. Betroffene sollten einen auf die Behandlung von Allergien spezialisierten Facharzt aufsuchen.

 

 

 

Kreuzallergie durch Baumpollen
Welche Baumpollen genau im Frühling die Nase von Allergiekranken zum Laufen bringen, lässt sich manchmal nur schwer sagen. Die frühblühenden Bäume Hasel und Erle lassen ihre Pollen nahezu gleichzeitig ab Februar fliegen. Im März sind dann zusätzlich noch Birkenpollen unterwegs. Vergleicht man auf immunologischer Ebene die Allergene der Birke, Erle und Hasel, aber auch der Buche und Eiche, miteinander, so stellt man fest, dass die Allergie auslösenden Moleküle in den Pollen dieser Bäume überwiegend identisch sind. Daher kann bei Baumpollen-Allergikern meistens eine Kreuzallergie auf mehrere Baumarten festgestellt werden. Sollte in seltenen Fällen einmal eine isolierte Reaktion, beispielsweise nur auf die Hasel, beobachtet werden, so reagiert der Patient mit großer Wahrscheinlichkeit nicht auf das Majorallergen, sondern auf Minorallergene.


7. Europäisches Pollen Symposium in Bad Lippspringe

Am 12. und 13. März 2005 findet im Parkhotel Bad Lippspringe das
7. Europäische Pollenflug-Symposium statt. Professor Dr. med. Karl-Christian Bergmann, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, erwartet Wissenschaftler aus 12
Staaten, denn Pollen kennen keine Ländergrenzen. Die europaweite Erfassung und Vorhersage des Pollenflugs spielt eine wesentliche Rolle für die vielen Millionen Pollenallergiker in Europa. Die internationalen Experten diskutieren auf dem Pollenflug-Symposium außerdem die Bedeutung des Klimawandels für die epidemiologische Entwicklung von Allergien. Weitere Themen des Symposiums sind die Weiterentwicklung der Pollenanalytik, die spezifische Immuntherapie zur kausalen Allergiebehandlung sowie das medikamentöse Management.

Weitere Informationen:
Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst
Telefon 0 52 52 / 93 12 04

www.pollenstiftung.de

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Dieses Informationsangebot wird durch die freundliche Unterstützung der
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