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Wissenschaft - idw - - Pressemitteilung
Westfaelische Wilhelms-Universität Münster, 28.04.2004
Frühling treibt Tränen in die Augen
Alle Jahre wieder: Die Augen jucken und tränen, die
Nase läuft und das eine oder andere laute "Hatschiii"
lässt die Umgebung zusammenzucken. Es ist wieder Heuschnupfenzeit.
Nach Erle und Haselnuss, die bereits seit Ende Januar ihre
Pollen verteilen, bereiten jetzt auch Birke und Pappel vielen
Baumpollenallergikern Probleme. Im Mai geht es dann mit
den Gräsern weiter, die bis Anfang August blühen
und vielen Heuschnupfengeplagten den Aufenthalt im Freien
vergällen.
Je nach Art der Zählung sind in Deutschland
laut Statistik bis zu 24 Prozent aller Erwachsenen von dem
Leiden betroffen. Und es werden ständig mehr. Doch
wegen Heuschnupfens gleich zum Arzt gehen? Da wird gleich
wieder die Praxisgebühr von zehn Euro fällig,
und die meisten Sprays, Augen- und Nasentropfen sowie Heuschnupfenmittel
in Tablettenform sind nicht verschreibungspflichtig. Die
Kosten werden gemäß Gesundheitsreformgesetz von
den Kassen nicht mehr übernommen. Da kann man ja gleich
in die Apotheke gehen und sich die Mittelchen kaufen!
,,Ganz falsch!", meint Privatdozent
Dr. Randolf Brehler, Oberarzt und Leiter des Bereichs Allergologie,
Berufsdermatologie und Umweltmedizin der Hautklinik des
Universitätsklinikums Münster (UKM). Er sieht
mit den neuen Regelungen eine fatale Entwicklung auf sich
und seine Kollegen zurollen. "Ohnehin war im Bereich
der Pollenallergien eine Tendenz zu mangelnder Diagnostik
und Therapie festzustellen. Diese wird durch das Gesundheitsreformgesetz
noch verstärkt", so Dr. Brehler.
Er befürchtet, dass viele Selbstbehandler
sich nicht für"Antihistaminika" der neuesten
Generation und damit die besten Mittel entscheiden, sondern
aus Sparsamkeit auf ältere und billigere Präparate
zurückgreifen. Davon abgesehen, sei von der Selbstmedikation
überhaupt abzuraten. "Allergien sind keineswegs
Bagatellerkrankungen. Die Behandlung gehört in jedem
Fall in die Hände eines Facharztes", betont der
Allergologe. "Statt von Heuschnupfen sprechen Fachleute
lieber von allergischer Entzündung, an der als ein
Faktor von mehreren das Histamin beteiligt ist." Fragebögen
haben an den Tag gebracht, dass sich viele Patienten zusätzlich
müde und abgeschlagen fühlten, in ihrer Lebensqualität
also deutlich beeinträchtigt seien.
Zwar kann eine Allergie in jedem Lebensalter
auch spontan auftreten, doch der typische und mittlerweile
häufigere Fall ist nach Angaben Dr. Brehlers der, dass
die "Karriere" eines Allergikers bereits in der
Kindheit mit bestimmten Nahrungsmittelallergien und Neurodermitis
beginnt. Im weiteren Verlauf entwickeln viele Neurodermitiker
dann Heuschnupfensymptome und später unter Umständen
allergisches Asthma, das bei bis zu vier Prozent aller Erwachsenen
auftritt.
"Durch eine exakte Diagnostik und eine
adäquate Therapie kann jedoch jedem geholfen werden",
betont der Experte. Die beste Therapieform stellt nach seinen
Angaben nach wie vor die Hyposensibilisierung dar, bei der
die Patienten über einen längeren Zeitraum hinweg
die Allergie-auslösenden Stoffe in anfangs geringer,
dann stetig steigender Dosis verabreicht bekommen und sich
das Immunsystem auf diese Weise allmählich an diese
gewöhnt. Er empfiehlt insbesondere Patienten mit ausgeprägten
Beschwerden und erst recht denjenigen mit beginnendem Asthma
eine ganzjährige Therapie, bei der die Allergen-Extrakte
unter die Haut gespritzt werden. "Die Qualität
dieser Extrakte konnte in den vergangenen Jahren deutlich
verbessert werden", so der Allergologe. "Es wurde
erforscht, welche Proteine bei einem bestimmten Pollentyp
es genau sind, die die allergischen Reaktionen auslösen.
Diese können heute gentechnisch exakt nachgebaut werden."
Solche Präparate, die sich durch höchste
Reinheit und eine exakt gleich bleibende Qualität auszeichnen,
werden jetzt in der Hautklinik des Universitätsklinikums
im Rahmen einer deutschlandweiten Studie zur Hyposensibilisierung
bei Graspollenallergie eingesetzt. Betroffene, die teilnehmen
möchten, können sich noch bis Ende April unter
der Rufnummer (0251) 83-56506 in der Hautklinik melden.