Birkenpollenflug
2004 führte zu vielen Asthmanotfällen
Der
nächste Pollenflug kommt bestimmt
2004
war ein Mastjahr für Birken. Die Bäume haben im
Frühjahr so große Mengen Blütenstaub freigesetzt.
Die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum hat im
April an mehreren Tagen über 5.000 Birkenpollen pro Kubikmeter
Luft gemessen. Diese Pollen-konzentration war zehnmal so hoch
wie im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2003. Der heftige
Birkenpollenflug verursachte bei Menschen mit einer Birkenpollen-Allergie
starke Beschwerden: Niesen, Schnupfen, Augenjucken oder sogar
Husten und Atemnot. "Noch nie kamen während des
Birkenpollenflugs so viele Patienten in unsere Behandlung
wie im Frühling 2004", so Professor Dr. Gerhard
Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft
für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Der
Allergologe und Lungenfacharzt berichtet, dass auffällig
viele Patien-ten mit schweren Asthmaanfällen die Universitätsklinik
Bergmannsheil in Bochum aufsuchten. "Auch in anderen
Regionen in Deutschland kam es im Frühling 2004 zu einer
Häufung von Asthmanotfällen. Das haben mir viele
Kollegen bestätigt", sagt Schultze-Werninghaus.
Etwa ab März ist wieder mit dem Flug von Birkenpollen
zu rechnen. Wer auf Hasel- oder Erlenpollen allergisch reagiert,
niest schon eher: Diese Bäume beginnen oft schon im Januar
zu blühen.
Bei Allergien zum Allergologen
Bei Menschen mit einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem
nach dem Einatmen von Blütenstaub überempfindlich.
Bestimmte Immunzellen setzen Entzündungsstoffe frei,
die beispielsweise die Nasenschleimhaut anschwellen lassen,
die Schleimproduktion steigern und Juckreiz verursachen: die
typischen Symptome für Heuschnupfen. Die allergische
Entzündung kann sich auf die Bronchien ausdehnen und
zu allergischem Asthma mit pfeifender Atmung, Luftnot und
Husten führen. Asthmakranke mit einer Allergie auf Birkenpollen
haben ein hohes Risiko, dass es während der Pollensaison
zu schweren, lebensbedrohlichen Asthmaanfällen kommt.1
Wenn die Erkrankung länger besteht, können zunehmend
nicht-allergische Auslöser wie Tabakrauch und Kälte
zu Asthmabeschwerden führen. "Mit Heuschnupfen oder
Asthma sollte man rechtzeitig zum Facharzt gehen. Mit einer
effektiven Therapie bekommt man diese Krankheiten gut in den
Griff und verhindert, dass es mit den Jahren immer schlimmer
wird", empfiehlt Schultze-Werninghaus.
Immuntherapie
hilft dauerhaft
Gegen Heuschnupfensymptome haben sich kortisonhaltige Na-sensprays
und Antihistaminika für die tägliche Einnahme sehr
be-währt. Eine langfristige Besserung ist in etwa 90
Prozent der Fälle mit einer spezifischen Immuntherapie
(Hyposensibilisierung) möglich. Die Patienten erhalten
bei dieser Therapie oftmals über einen Zeitraum von drei
Jahren regelmäßig Injektionen mit dem Allergen,
das ihre Allergie auslöst. Dadurch wird das Immunsystem
wieder unempfindlich, die Symptome bessern sich dauerhaft
und das Asthmarisiko sinkt. Eine 2004 veröffentlichte
schwedische Studie zeigte, dass die Immuntherapie mit molekular
standardisierten Allergen-Präparaten auch entzündungshemmend
wirkt.2 Für Pollenallergiker
ist Herbst und Winter der beste Zeitpunkt für den Beginn
dieser Behandlung. Wichtige Asthmamedikamente sind Kortisonsprays,
die bei regelmäßiger Inhalation wirkungsvoll die
Entzündung der Atemwege bekämpfen und Betamimetika,
die gegen die Atemnot helfen, indem sie die Bronchien erweitern.
Schultze-Werninghaus rät Asthmakranken, bei einem allergologisch
ausgebildeten Facharzt prüfen zu lassen, ob eine Allergie
Ursache der Erkrankung ist. In diesem Fall kann eine spezifische
Immuntherapie die zunehmende Verschlechterung des Asthmas
aufhalten und vor einer akuten Verschlechterung der Lungenfunktion
bei Kontakt mit Allergenen wie Pollen, Tierhaaren oder Hausstaubmilben
schützen.
1.
Krüger, Margraf A, Schultze-Werninghaus G: Bedeutung
allergischer Faktoren bei Patienten mit Exazerbationen eines
Asthma bronchiale. Allergo Journal 1992;1(10):11-18.
2. Arvidsson MB, Löwhagen O, Rak S: Allergen specific
immunotherapy attenuates early and late phase reactions in
lower airways of birch pollen asthmatic patients: a double
blind placebo-controlled study. Al-lergy 2004;59:74-80.
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Massiver
Birkenpollenflug sorgte für volle Wartezimmer
2004 kam es Mitte April zu einem extrem starken Flug von
Birkenpollen. Die Universitätsklinik Bergmannsheil
in Bochum meldete an mehreren Tagen eine Konzentration
von über 5.000 Birkenpollen pro Kubikmeter Luft.
"Es kamen noch nie so vie-le Birkenpollenallergiker
in unsere Behandlung. Viele davon litten erstmals an Heuschnupfen
oder allergischem Asthma", berichtet Professor Dr.
Gerhard Schultze-Werninghaus, der Präsident der Deutschen
Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie
(DGAI) aus Bochum. Er empfiehlt, die Möglichkeit
einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibili-sierung)
zu prüfen. Diese Behandlung hat eine Erfolgsrate
von 90 Prozent und ist die einzige ursächliche Therapie
bei Atemwegsallergien. "Die Hyposensibilisierung
ist im Frühsta-dium einer allergischen Atemwegserkrankung
am wirksamsten. Je länger man wartet, desto schlechter
sind die Erfolge", so Schultze-Werninghaus.
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Regenwasser
setzt Allergieauslöser aus Birkenpollen frei
Birkenpollenkörner können nach Kontakt mit
Regenwasser kurze Schläuche ausbilden. Diese so
genannten Keimschläuche bilden sich nach einiger
Zeit zurück und platzen dabei an der Spitze auf.
Der Zellinhalt des Pollenkorns, der winzige Allergie
auslösenden Partikel enthält, wird dann nach
außen entleert (abortive Keimung). Auf der rasterelektronenmikroskopischen
Aufnahme ist dieser Vorgang bei einem der abgebildeten
Birkenpollenkörner zu erkennen. Die freigesetzten
Partikel gelangen mit der Atemluft in die Atemwege des
Menschen und können bei Birkenpollenallergikern
Heuschnupfen und Asthmaanfälle auslösen.
Aufnahme:
Prof. Dr. Monika Grote, Institut für Medizinische
Physik und Biophysik, Westfälische Wilhelms-Universität,
Münster.
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