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Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA)
Deutsche Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI)

29. November 2004


Birkenpollenflug 2004 führte zu vielen Asthmanotfällen

Der nächste Pollenflug kommt bestimmt

2004 war ein Mastjahr für Birken. Die Bäume haben im Frühjahr so große Mengen Blütenstaub freigesetzt. Die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum hat im April an mehreren Tagen über 5.000 Birkenpollen pro Kubikmeter Luft gemessen. Diese Pollen-konzentration war zehnmal so hoch wie im vergleichbaren Zeitraum des Jahres 2003. Der heftige Birkenpollenflug verursachte bei Menschen mit einer Birkenpollen-Allergie starke Beschwerden: Niesen, Schnupfen, Augenjucken oder sogar Husten und Atemnot. "Noch nie kamen während des Birkenpollenflugs so viele Patienten in unsere Behandlung wie im Frühling 2004", so Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). Der Allergologe und Lungenfacharzt berichtet, dass auffällig viele Patien-ten mit schweren Asthmaanfällen die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum aufsuchten. "Auch in anderen Regionen in Deutschland kam es im Frühling 2004 zu einer Häufung von Asthmanotfällen. Das haben mir viele Kollegen bestätigt", sagt Schultze-Werninghaus. Etwa ab März ist wieder mit dem Flug von Birkenpollen zu rechnen. Wer auf Hasel- oder Erlenpollen allergisch reagiert, niest schon eher: Diese Bäume beginnen oft schon im Januar zu blühen.

Bei Allergien zum Allergologen

Bei Menschen mit einer Pollenallergie reagiert das Immunsystem nach dem Einatmen von Blütenstaub überempfindlich. Bestimmte Immunzellen setzen Entzündungsstoffe frei, die beispielsweise die Nasenschleimhaut anschwellen lassen, die Schleimproduktion steigern und Juckreiz verursachen: die typischen Symptome für Heuschnupfen. Die allergische Entzündung kann sich auf die Bronchien ausdehnen und zu allergischem Asthma mit pfeifender Atmung, Luftnot und Husten führen. Asthmakranke mit einer Allergie auf Birkenpollen haben ein hohes Risiko, dass es während der Pollensaison zu schweren, lebensbedrohlichen Asthmaanfällen kommt.1 Wenn die Erkrankung länger besteht, können zunehmend nicht-allergische Auslöser wie Tabakrauch und Kälte zu Asthmabeschwerden führen. "Mit Heuschnupfen oder Asthma sollte man rechtzeitig zum Facharzt gehen. Mit einer effektiven Therapie bekommt man diese Krankheiten gut in den Griff und verhindert, dass es mit den Jahren immer schlimmer wird", empfiehlt Schultze-Werninghaus.

Immuntherapie hilft dauerhaft

Gegen Heuschnupfensymptome haben sich kortisonhaltige Na-sensprays und Antihistaminika für die tägliche Einnahme sehr be-währt. Eine langfristige Besserung ist in etwa 90 Prozent der Fälle mit einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) möglich. Die Patienten erhalten bei dieser Therapie oftmals über einen Zeitraum von drei Jahren regelmäßig Injektionen mit dem Allergen, das ihre Allergie auslöst. Dadurch wird das Immunsystem wieder unempfindlich, die Symptome bessern sich dauerhaft und das Asthmarisiko sinkt. Eine 2004 veröffentlichte schwedische Studie zeigte, dass die Immuntherapie mit molekular standardisierten Allergen-Präparaten auch entzündungshemmend wirkt.2 Für Pollenallergiker ist Herbst und Winter der beste Zeitpunkt für den Beginn dieser Behandlung. Wichtige Asthmamedikamente sind Kortisonsprays, die bei regelmäßiger Inhalation wirkungsvoll die Entzündung der Atemwege bekämpfen und Betamimetika, die gegen die Atemnot helfen, indem sie die Bronchien erweitern. Schultze-Werninghaus rät Asthmakranken, bei einem allergologisch ausgebildeten Facharzt prüfen zu lassen, ob eine Allergie Ursache der Erkrankung ist. In diesem Fall kann eine spezifische Immuntherapie die zunehmende Verschlechterung des Asthmas aufhalten und vor einer akuten Verschlechterung der Lungenfunktion bei Kontakt mit Allergenen wie Pollen, Tierhaaren oder Hausstaubmilben schützen.

1. Krüger, Margraf A, Schultze-Werninghaus G: Bedeutung allergischer Faktoren bei Patienten mit Exazerbationen eines Asthma bronchiale. Allergo Journal 1992;1(10):11-18.
2. Arvidsson MB, Löwhagen O, Rak S: Allergen specific immunotherapy attenuates early and late phase reactions in lower airways of birch pollen asthmatic patients: a double blind placebo-controlled study. Al-lergy 2004;59:74-80.

Dieselkraftstoff: Die unterschätzte Gefahr
Massiver Birkenpollenflug sorgte für volle Wartezimmer
2004 kam es Mitte April zu einem extrem starken Flug von Birkenpollen. Die Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum meldete an mehreren Tagen eine Konzentration von über 5.000 Birkenpollen pro Kubikmeter Luft. "Es kamen noch nie so vie-le Birkenpollenallergiker in unsere Behandlung. Viele davon litten erstmals an Heuschnupfen oder allergischem Asthma", berichtet Professor Dr. Gerhard Schultze-Werninghaus, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI) aus Bochum. Er empfiehlt, die Möglichkeit einer spezifischen Immuntherapie (Hyposensibili-sierung) zu prüfen. Diese Behandlung hat eine Erfolgsrate von 90 Prozent und ist die einzige ursächliche Therapie bei Atemwegsallergien. "Die Hyposensibilisierung ist im Frühsta-dium einer allergischen Atemwegserkrankung am wirksamsten. Je länger man wartet, desto schlechter sind die Erfolge", so Schultze-Werninghaus.

 

Regenwasser setzt Allergieauslöser aus Birkenpollen frei
Birkenpollenkörner können nach Kontakt mit Regenwasser kurze Schläuche ausbilden. Diese so genannten Keimschläuche bilden sich nach einiger Zeit zurück und platzen dabei an der Spitze auf. Der Zellinhalt des Pollenkorns, der winzige Allergie auslösenden Partikel enthält, wird dann nach außen entleert (abortive Keimung). Auf der rasterelektronenmikroskopischen Aufnahme ist dieser Vorgang bei einem der abgebildeten Birkenpollenkörner zu erkennen. Die freigesetzten Partikel gelangen mit der Atemluft in die Atemwege des Menschen und können bei Birkenpollenallergikern Heuschnupfen und Asthmaanfälle auslösen.

Aufnahme: Prof. Dr. Monika Grote, Institut für Medizinische Physik und Biophysik, Westfälische Wilhelms-Universität, Münster.


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